Bildung bleibt die beste Investition

Usama Zahran gehört zum Organisationsteam der Pflege-Fakultät in Emmaus. Er spricht über die aktuellen Sorgen der jungen Menschen, für die eine qualifizierte Ausbildung zu einer immer größeren Belastung wird.

Sie haben viel Kontakt mit jungen Menschen im Westjordanland – was bewegt sie am meisten?

Sie stehen unter enormem Druck. Nach dem Schulabschluss haben viele kaum echte Wahlmöglichkeiten. Familien haben durch die Abriegelung des Westjordanlandes und durch politische Spannungen, Arbeit und viel des ohnehin geringen Einkommens verloren. Gleichzeitig sind die Preise für Brot, Fleisch, Strom oder Gas zum Kochen in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen. Manche Väter sind seit Jahren ohne Arbeit. In so einer Situation denkt ein junger Mensch nicht zuerst an die eigene Ausbildung und die berufliche Entwicklung. Er denkt daran, wie er helfen kann, die Familie über Wasser zu halten.

Ein Studium wird zur Belastung?

Ja. Ein vierjähriges Studium, das für die Ausbildung zur Pflegefachkraft nötig ist, bedeutet Zeit – und Zeit bedeutet Geld. Unsere Studierenden sind Vollzeit in der Ausbildung: drei Tage Vorlesungen, zwei Tage Praxis im Krankenhaus. Dazu kommen Vorbereitung, Prüfungen und Sommerkurse. Es bleibt kaum Zeit für einen Nebenjob. Und selbst wenn jemand arbeiten möchte: Teilzeitstellen sind selten. Die Lebenshaltungskosten sind hoch. Viele Familien kämpfen ohnehin mit Schulden.

Warum entscheiden sich junge Menschen trotzdem für die Pflege?

Weil Pflege hier mehr ist als ein Beruf. Pflegekräfte genießen großes Ansehen. Sie sind oft die wichtigste Ansprechperson für Patienten und Familien. Und der Bedarf bleibt hoch. Wer Pflege studiert, weiß: Ich werde gebraucht.

Aber können sich junge Menschen diese Ausbildung in der jetzigen Situation überhaupt leisten?

In vielen Fällen: nein. Und das ist das eigentliche Problem. Ich denke an eine junge Frau, 18 Jahre alt. Sie hat einen sehr guten Schulabschluss. Ihr Vater ist seit drei Jahren arbeitslos. Ohne Stipendium hätte sie nicht studieren können. Heute ist sie im vierten Semester und gehört zu unseren besten Studierenden. Oder ein junger Mann, dessen Vater früh starb. Er wollte unbedingt Krankenpfleger werden, um seine Mutter zu unterstützen. Auch er brauchte finanzielle Hilfe. Heute ist er im zweiten Semester mit besten Noten. Das sind keine Ausnahmen. Es sind begabte junge Menschen, denen nur eines fehlt: die Möglichkeit.

Was geschieht, wenn diese Unterstützung nicht kommt?

Dann bleiben Talente ungenutzt. Manche verschieben ihr Studium um Jahre. Andere geben ganz auf. Und das bedeutet nicht nur einen persönlichen Verlust. Es bedeutet auch einen Verlust für unsere Gesellschaft. Wir haben in den letzten 17 Jahren mehr als 320 qualifizierte Pflegekräfte ausgebildet. Viele arbeiten heute in verantwortlichen Positionen. Einige wurden selbst Ausbilder. Sie tragen ihre Familien. Sie ermöglichen ihren Geschwistern eine Ausbildung. Ein Stipendium verändert mehr als nur eine Biographie, mehr als nur ein Leben!

Was bedeutet die Unterstützung aus dem Ausland für Sie persönlich?

Sie gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein. Unsere Studierenden wissen, dass Menschen in anderen Ländern an sie glauben. Und ich sage ganz offen: In dieser kritischen Phase ist weitere Unterstützung dringend nötig. Wenn wir jetzt die junge Generation stärken, stärken wir die Wurzeln unserer Gemeinschaft, die vor schwierigen Zeiten steht. Bildung bleibt die sinnvollste und nachhaltigste Investition in eine friedliche Zukunft.

„Unsere Studierenden wissen, dass Menschen in anderen Ländern an sie glauben.“ Usama Zahran

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